Leichte Sprache bei s_inn

Leichte Sprache ist keine Kindersprache!

Leichte Sprache ist ein Instrument zur Gestaltung barrierefreier Kommunikation.

Texte lesen und verstehen – das sind Grundvoraussetzungen für die Teilnahme und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Aber was ist mit den Menschen, für die ein Großteil unserer Schriftsprache zu kompliziert ist? In Deutschland stellt schwere Sprache eine Barriere für Millionen von Menschen dar. Vor allem Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen haben Schwierigkeiten mit dem Lesen und Schreiben. Auch funktionale Analphabeten, Demenz-Kranke, Menschen mit geringen Deutschkenntnissen und viele andere sind von einer akuten Ausgrenzung aufgrund sprachlicher Hürden betroffen. Das Konzept der Leichten Sprache ist ein Mittel zur Überwindung eben dieser Hürden mit dem übergeordneten Ziel der barrierefreien Kommunikation.

Bei der Leichten Sprache handelt es sich um ist eine stark vereinfachte Form des Deutschen mit eigenen Regeln auf Wort-, Satz- und Textgestaltungsebene: Kurze Sätze, aktive Verbformen und wenn möglich keine Fremdwörter – das sind nur einige der Aspekte, die es neben der Verwendung von Bildern zu beachten gilt. Die Einführung und Weiterentwicklung des Konzepts „Leichte Sprache“ ist in Deutschland vor allem auf Impulse von Interessensvertretungen wie Inclusion Europe, dem Netzwerk People First Deutschland oder dem Netzwerk Leichte Sprache zurückzuführen.
 

“Nicht ohne meine Prüfgruppe!“


Neben der Einhaltung eines Regelwerks ist vor allem die direkte Zusammenarbeit mit der Zielgruppe Grundvoraussetzung für das Texten in Leichter Sprache. Das bedeutet, dass auch hoch qualifizierte und geübte Übersetzer_innen für Leichte Sprache ohne eine Prüfgruppe nicht ans Ziel kommen. In diesem Sinne sollte jeder Textentwurf in Leichter Sprache von einer oder besser zwei Personen mit Lernschwierigkeiten (oder anderer Art von kognitiver Beeinträchtigung) auf Verständlichkeit überprüft werden. Ein geprüfter Text ist jedoch nicht zwingend für alle Menschen verständlich – dazu ist die Zielgruppe der Leichten Sprache viel zu heterogen. Aber eins ist klar: Jedes Textangebot in Leichter Sprache ist eine Bereicherung für alle Menschen und ein Beitrag zu barrierefreier Kommunikation. Um es mit den Worten unserer Prüfgruppe in Köln zu sagen:

Leichte Sprache ist für alle Menschen gut!

Leichte Sprache im Transfernetzwerk

Der Ausbruch der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 hat im Transfernetzwerk dafür gesorgt, dass analoge Transferveranstaltungen abgesagt werden mussten. So gab es Spielraum für die Platzierung neuer Themen und die Erprobung neuer (Transfer-)Formate. Wir haben uns dazu entschlossen, der Leichten Sprache im Transfernetzwerk eine Plattform zu geben, um dem von s_inn angestrebten Wissenstransfer zwischen Hochschule und Gesellschaft eine neue Dimension zu verleihen.

Flyer "Leichte Sprache bei s_inn" zum Download

Die "AG Leichte Sprache" (aktiv bis Dezember 2022) verfolgte verschiedene Ziele:

In der Textproduktion hielten wir uns an das Regelwerk des Netzwerks Leichte Sprache e. V., das in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales herausgegeben wurde. Außerdem hielten wir die Richtlinien zur Verwendung des Gütesiegels von Inclusion Europe ein. Ein gemeinsam mit der Prüfgruppe in Köln erprobter Prozessablauf, die stetige Fort- und Weiterbildung unserer Übersetzerinnen, sowie eine kritische Selbstreflexion bildeten die Grundlage unserer redaktionellen Arbeit in Leichter Sprache.

Anfang 2021 hat das Transfernetzwerk in Kooperation mit der Caritas Wertarbeit in Köln-Ossendorf eine eigene Prüfgruppe für Leichte Sprache ins Leben gerufen. In der Caritas-Einrichtung konnten sich drei junge Frauen mit kognitiver Beeinträchtigung dafür begeistern, wöchentlich mit ihrer betreuenden Fachkraft unsere Leichte Sprache-Texte zu prüfen. Nach der anfänglichen digitalen Zusammenarbeit und unserer Anleitung zum Prüfverfahren, wurden die Prüferinnen dazu befähigt, die angefertigten Übersetzungen auf Verständlichkeit zu prüfen und entsprechendes schriftliches Feedback an die Übersetzerinnen zu geben. Unsere Zusammenarbeit wurde Ende 2021 offiziell durch eine Kooperationsvereinbarung zwischen katho und Caritas besiegelt.

Die Projektwebsite des Transfernetzwerks ging im April 2021 in Leichter Sprache online und stellte das erste große Übersetzungsprojekt dar. Sie gibt den Stand der Webseite bis November 2022 wieder. Es folgte die Übersetzung der katho-Webseite in Leichter Sprache. Beide Projekte wurden in Zusammenarbeit mit einer externen Prüfgruppe der Diakonischen Stiftung Ummeln realisiert, da sich die Prüfgruppe der Caritas noch in der Erprobungsphase befand.

Täglich prasseln neue Nachrichten auf uns ein. Ob im Fernsehen, Radio oder Internet – die Informationsflut ist ungemein. Aber sind die Informationen auch für alle verständlich? Im Transfernetzwerk gab es folgendes Anliegen: Nachrichten schreiben, die an die Lesekompetenz unserer Prüferinnen für Leichte Sprache angepasst sind. Im Februar 2022 wurde daher eine neue Rubrik geschaffen: Nachrichten in Leichter Sprache. Im Zeitraum von Februar bis Dezember 2022 erschienen monatlich Nachrichten zu NRW, Deutschland und dem aktuellen Weltgeschehen – natürlich in Leichter Sprache.

Leichte Sprache: ein Angebot zur Kommunikation und Teilhabe

Nach fast zwei Jahren Kooperation mit der Caritas Wertarbeit in Köln und dem erfolgreichen Aufbau einer Prüfgruppe für Leichte Sprache haben die verantwortlichen Mitarbeiterinnen einen Kurzfilm zur Leichten Sprache konzipiert und gedreht.

Den Text zum Thema "Catcalling", der im Film von der Prüfgruppe bearbeitet wurde, finden Sie hier: Catcalling in Leichter Sprache erklärt (pdf)

Kontakt

Tristan Steinberger
Agenturleitung