katho Summerschool 2021
Familien stärken – Kinder schützen
08. Juni 2021 10:00 - 16:00 Uhr, Online
Dr. Marina-Rafaela Buch
Agenturleitung
0221/7757 - 460
Tristan Steinberger
Stellv. Agenturleitung
0221/7757 - 465

Familien stärken – Kinder schützen

Abteilungsübergreifender Fachtag für Studierende vor der Praxisphase II in entsprechenden Handlungsfeldern

Dienstag, 8. Juni 2021, 10:00 - 16:00 Uhr, Online

Sich fachlich qualifizieren, abteilungsübergreifend diskutieren und Kolleg_innen sowie Studierende zusammenbringen – das sind wesentliche Ziele, die die katho Summerschool 2021 "Familien stärken – Kinder schützen" 2021 erstmalig umsetzen möchte. 

An allen vier Standorten unserer Hochschule bereiten sich derzeit Studierende in den Begleitseminaren des Moduls "M21" auf die Praxisphase II vor. Einige Gruppen arbeiten zum Schwerpunkt Kinder- und Jugendhilfe/Erziehungshilfe. ‘Kinderschutz‘ ist dabei ein bedeutsames Thema. Gleichsam wichtig ist aber auch die Frage, wie Eltern in der herausfordernden Aufgabe von Erziehung und Versorgung gestärkt werden können und wie für Kinder "gute" Bedingungen des Aufwachsens in ihren Familien und der Gesellschaft zu ermöglichen sind. Immer wieder stellt sich hier die Frage, wie Begleitung, Stärkung und Unterstützung – aber im Bedarfsfall auch Kontrolle im Sinne des Wohls von Kindern – angemessen organisiert und professionell umgesetzt werden können.

Durch ihre vier Standorte verfügt die katho über eine große Expertise in diesen fachlichen Fragen – so entstand die Idee eines gemeinsamen Fachtages für Studierende im Vorfeld der Praxisphase II.

Zu diesem neuen Ort des gemeinsamen Lernens laden wir Sie herzlich ein!

 

Die Summerschool bietet eine Mischung aus Themen, die in unterschiedlichen Facetten aufgreifen. Insgesamt geht es um die Balancierung der Spannungsfelder, die sich im fachlichen Handeln zwischen den Polen „Kinder schützen“ und „Familien stärken“ immer wieder zeigen.

Und ganz „nebenbei“ gibt es die Möglichkeit, Lehrende und Studierenden anderer Abteilungen ein wenig kennenzulernen. Seien Sie dabei!

Wir und weitere Kolleg_innen freuen uns auf den gemeinsamen Austausch!

Ablauf
10.00 – 11.00 UhrFlorian - ein „Fall“ und viele fachliche Fragen
11.15 – 12.30 UhrWorkshop-Phase I
13.30 – 14.45 UhrWorkshop-Phase II
15.00 – 16.00 UhrErste Antworten, weitere Fragen - Ihre Einschätzung als zukünftige Profis

Workshop 1:

Professionelle Einschätzungsprozesse im Kinderschutz zwischen Wunsch und Wirklichkeit?! Empirische Einblicke und professionalitätsfördernde Impulse.
Julia Breuer-Nyhsen, Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Abteilung Aachen; Verena Klomann, Professorin für Theorien und Konzepte Sozialer Arbeit, Abteilung Aachen; Barbara Schermaier-Stöckl, Professorin für Recht in der Sozialen Arbeit, Abteilung Köln

Die Realisierung professioneller Einschätzungsprozesse im Kinderschutz variiert trotz differenzierter gesetzlicher Bestimmungen erheblich und es werden anhaltend Unsicherheiten sowie die Zunahme von Absicherungs- und Kontrollmentalitäten deutlich. Im Rahmen des Workshops werden wir einen Einblick in empirische Daten aus einem Pilotforschungsprojekt geben, das untersucht hat, wie innerhalb verschiedener Jugendämter diese Einschätzungsprozesse verfahrenstechnisch gestaltet werden, ob und wenn ja welche fachlichen Perspektiven einbezogen werden und welche Herausforderungen wiederkehrend auftreten. Anhand zwei identifizierter Spannungsfelder wollen wir gemeinsame Impulse zur Weiterentwicklung professioneller Einschätzungsprozesse im Kinderschutz erarbeiten und diskutieren.

 

Workshop 2:

„There is no glory in prevention.“ Really?!
Kindeswohlgefährdung und Prävention – was können wir tun, um Kinder und Jugendliche zu schützen?

Marianne Genenger-Stricker, Professorin für Theorien und Konzepte Sozialer Arbeit, Abteilung Aachen; Rike Bartmann, Pädagogische Referentin bei der Katholischen Landesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz NRW e.V.

Was ist Kindeswohlgefährdung? Welche Formen gibt es und wie lassen sich diese unterscheiden? Wo beginnen Grenzverletzungen und Grenzüberschreitungen? Wir schauen auf verschiedene Präventionsmöglichkeiten, um Kinder und Jugendliche zu schützen und zu stärken. Können wir gemeinsam etwas „glory“ in der Präventionsarbeit entdecken?

 

Workshop 3:

„Krisen in Familien als Normalfall? – Potentiale systemischer Beratung!“
Mathias Berg, Professor für Theorien und Konzepte Sozialer Arbeit, Abteilung Aachen

Krisenhafte Zuspitzungen erreichen viele Familien nicht erst seit der Corona-Pandemie. Im Gegenteil könnten Krisenzeiten in Familien unter bestimmten Perspektiven sogar als „normal“ angesehen werden. Wie gehen Familien heute unter postmodernen Sozialisationsbedingungen mit den vielfältig gewordenen Herausforderungen um und welche Möglichkeiten ergeben sich in der Beratung mit diesen Familien? Insbesondere systemische Konzepte in der Sozialen Arbeit stellen hier hilfreiche Blickwinkel und Interventionsinstrumentarien zur Verfügung, um Familien in Krisen zu unterstützen.

 

Workshop 4:

Rolle und Bedeutung der insoweit erfahrenen Fachkraft im Kinderschutz
Prof. Dr. Heike Wiemert, Professorin für Theorien, Methoden und Konzepte Sozialer Arbeit mit dem Schwerpunkt Kindheit und Familie, Abteilung Köln

Die insoweit erfahrene Fachkraft fand mit den Entwicklungen des Kinder- und Jugendhilfeentwicklungsgesetzes (KICK) im Jahr 2005 erstmals Eingang in die gesetzlichen Bestimmungen zum Kinderschutz. Nach § 8a Abs. 2 SGB VIII vom 01.10.2005 hatte die öffentliche Kinder und Jugendhilfe in Vereinbarungen mit den Trägern von Einrichtungen und Diensten, die Leistungen nach dem SGB VIII erbringen, sicherzustellen, dass deren Fachkräfte bei der Wahrnehmung gewichtiger Anhaltspunkte für eine Kindeswohlgefährdung zur Abschätzung des Gefährdungsrisikos eine insoweit erfahrene Fachkraft hinzuziehen. Inzwischen gibt es die insoweit erfahrene Fachkraft im Kinderschutz seit gut 15 Jahren, im Rahmen des Vortrags wird ihre Rolle und Bedeutung im Verlauf der Zeit reflektiert.  

 

Workshop 5:

Prävention sexualisierter Gewalt bei Kindern und Jugendlichen
Prof. Dr. Karla Verlinden, Professorin für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Resilienz, Abteilung Köln

Die Wahrscheinlichkeit mit der Fachkräfte der Sozialen Arbeit mit Betroffenen sexualisierter Gewalt konfrontiert werden ist hoch. Das statistische Hellfeld markiert, dass etwa jedes 4. Mädchen und jeder 7. Junge im Laufe seiner Kindheit sexuelle Gewalt erleben muss. In dem Workshop erhalten die Teilnehmenden Antworten auf die Fragen "Wer missbraucht wen aus welchem Grund?" und "Wie kann man verhindern, dass Heranwachsende sexualisierte Gewalt erleben müssen?"

 

Workshop 6:

Traumatische Erfahrungen im Kindes- und Jugendalter
Prof. Dr. Sabrina Schmidt, Professorin für Theorien, Methoden und Konzepte Sozialer Arbeit mit dem Schwerpunkt Kinder- und Jugendhilfe, Abteilung Köln

Forschungsbefunde zeigen, dass traumatische Erfahrungen im Kindes- und Jugendalter, zu denen auch physischer und sexueller Kindesmissbrauch gehören, langfristig vielfältige Formen psychischer Störungen nach sich ziehen können; aber auch starke und langfristige Auswirkungen auf die körperliche Gesundheit der Betroffenen wurden nachgewiesen. In dem Workshop wollen wir den Fragen nachgehen, was eigentlich ein Trauma ist, welche Faktoren Einfluss auf die individuelle Reaktion eines Kindes oder Jugendlichen auf ein potentiell traumatisches Ereignis nehmen und zu welchen multiplen psychischen Störungen Traumata führen können. Abgeschlossen wird der Workshop mit einem Blick auf traumapädagogische Ansatzpunkte.

 

Workshop 7:

Vom „Fall Kevin“ in Bremen bis zum „Missbrauchskomplex Lügde“... aus Kinderschutzfehlern lernen
Prof. Dr. Michael Böwer, Professor für Theorien und Konzepte Sozialer Arbeit mit dem Schwerpunkt Kinder- und Jugendhilfe und erzieherische Hilfen, Abteilung Paderborn; Annabell Timmer, Jugendhilfeplanerin des Kreisjugendamts Paderborn

Wir tauchen gemeinsam in zwei Kinderschutzfälle ein und betrachten vergleichend: Wo gibt es „Brüche“ in der Zusammenarbeit im Kinderschutz? Sind Schnittstellen fehleranfällig und warum? Spielt „Beteiligung“ im Kinderschutz eigentlich eine Rolle? Was braucht es, um im Rahmen von Qualitätsentwicklung aus Fehlern und Erfolgen zu lernen und Schlüsse für die zukünftige Arbeit im Kinderschutz zu ziehen?

 

Workshop 8:

Datenschutz im Kinderschutz
Prof. Dr.  Gerhard Kilz, Professor für Recht, insbesondere Sozial- und Verwaltungsrecht, Arbeitsrecht, einschließlich öffentliches Dienstrecht, Abteilung Paderborn

Ausgehend vom Schutzauftrag in der Jugendhilfe sollen die rechtlichen, professionellen und institutionellen Aspekte des Datenschutzes diskutiert werden. Wir werden der Frage nachgehen, ob tatsächlich ein Spannungsverhältnis zwischen dem Kinderschutz und dem Datenschutz besteht. Und: wieweit es aufgelöst werden kann.

 

Workshop 9:

„Was leitet den Blick? – Sozialpädagogische Diagnostik im Kinderschutz“
Prof. Dr. Sabine Ader, Professorin für Theorien und Konzepte Sozialer Arbeit, Abteilung Münster

Das Verstehen und Beurteilen familiärer Belastungen und Krisen in Situationen, die oftmals auch für die beteiligten Professionellen und ihre Institutionen herausfordernd sind, ist eine der Kernaufgaben sozialpädagogischer Fachkräfte in der Kinder- und Jugendhilfe. Wie es Kindern in ihren Familien geht, d.h. ob ihre Versorgung und Erziehung ausreichend gewährleistet ist, stellt dabei die zentrale Frage dar, deren Beantwortung keine leichte Aufgabe ist. Denn für das „Kindeswohl“ gibt es keine einfache Messlatte, sondern die Abwägung und Bewertung von Gefährdungs- und Schutzfaktoren für ein Kind in seinen familiären Zusammenhängen ist ein hochkomplexer und komplizierter Prozess. Die Tätigkeiten des sozialpädagogischen Verstehens, Bewertens und Beurteilens müssen professionell in eine angemessene Gewichtung und Balance gebracht werden. Darin liegt eine wesentliche professionelle Expertise.

Der Workshop zielt darauf, ein für die Profession Sozialer Arbeit angemessenes Verständnis von sozialpädagogischer Diagnostik zu entfalten, Grundhaltungen und methodische Zugänge vorzustellen und darüber mit den Teilnehmenden in den Austausch zu kommen.

 

Workshop 10:

Zugang finden – auch bei Widerstand, Unfreiwilligkeit und „fehlender Motivation“
Judith Haase, Lehrkraft für besondere Aufgaben, Abteilung Münster

Kontakte von Familien zur Kinder- und Jugendhilfe und insbesondere zum Bereich der erzieherischen Hilfen erfolgen oftmals auf Drängen von Menschen aus dem persönlichen Umfeld (Verwandte, Nachbar_innenn, Lehrkräfte etc.), mitunter auch über Institutionen wie z.B. die KiTa oder die Schule. Manchmal werden Eltern auch durch rechtliche Vorgaben zur Kontaktaufnahme verpflichtet. Gegenstand dieses Workshops ist die Auseinandersetzung mit Rahmenbedingungen, Grundsätzen und Handlungsmöglichkeiten im Spannungsfeld von professionellem Handlungsauftrag einerseits und Interessen der Familien andererseits. Es geht u.a. um Angebot und Eingriff, Hoffnungslosigkeit und Motivation, Verantwortung und Widerstand oder auch Freiheit und Zwang. Die Perspektive ist dabei, Unfreiwilligkeit und (scheinbar) fehlende Motivation nicht als Hinderniss, sondern als Chance für einen erfolgreichen Hilfeprozess zu nutzen. Für was kann eine ablehnende Haltung von Klient_innen stehen, was sind ihre Sichtweisen und wie kann es gelingen, dennoch einen Zugang zueinander zu finden und in Kontakt zu kommen? Ihre Perspektive und ihr Verhalten als maßgeblich für den Hilfeprozess zu sehen, ist ein Schlüssel auf dem Weg zu tragfähigen Hilfeangeboten.

Anmeldefrist

Die Anmeldefrist ist am 21. Mai 2021 abgelaufen.