Studierfähigkeit und Studierbarkeit – Ein Auftrag für Viele!?
19. Mai 2021
Carolin Wohlert
Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Köln
0221/7757 505
Anna Zeien
Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Aachen
0241/60003 8091

Pilotprojekt FIGEST bringt Akteur_innen aus Schule, Hochschule und Berufsberatung an einen Tisch.

Am 20./21. April fand die Midterm-Veranstaltung des Transfernetzwerks Soziale Innovation – s_inn zum Thema “Soziale Innovationen zwischen Hochschule und Praxis gestalten“ statt. Das Pilotprojekt FIGEST nutzte die Transfertagung dazu, ein wichtiges Thema mit Innovationsbedarf im Workshop-Format aufzugreifen und stellte die Frage “Studierfähigkeit und Studierbarkeit – Ein Auftrag für Viele?“. Die Studierfähigkeit von Schulabgänger_innen wird breit diskutiert. Dabei wird häufig außer Acht gelassen, dass sie auch eine wichtige Partnerin hat, nämlich die Studierbarkeit. Ziel des von den beiden Transferreferentinnen, Carolin Wohlert und Anna Zeien, gestalteten und moderierten Workshops Studierfähigkeit und Studierbarkeit – Ein Auftrag für Viele!? war es im Sinne eines thematischen Anstoßes, Akteur_innen aus Schule, Hochschule und Berufsorientierung an einen Tisch zu bringen und die Gelegenheit zum Austausch untereinander und mit den anwesenden Tagungsteilnehmenden zu bieten.

In einem einführenden Input wurden die gesellschaftliche und hochschulische Ausgangslage beleuchtet: Der Übergang von der Schule an die Hochschule ist nach wie vor eine Schwelle, an der soziale Ungleichheiten besonders deutlich werden. Es ist eine gesellschaftliche Herausforderung diese Bildungsschwelle für eine zunehmend diverse Studierendenschaft begehbar zu machen. Das Pilotprojekt FIGEST (First Generation Studierende begleiten – Teilhabe durch Kompetenzstärkung) hat mit seiner Forschung und Angebotsentwicklung in den letzten zwei Jahren das Thema “Übergang in das Studium“ intensiv bearbeitet und gab Einblick in Projektergebnisse und -angebote.

Da die Entwicklung innovativer Angebote und Formate zur Unterstützung eines gelingenderen Überganges und einer erfolgreichen Studieneingangsphase die Zusammenarbeit verschiedener hochschulischer und gesellschaftlicher Akteur_innen voraussetzt, schloss sich eine Podiumsdiskussion mit Expert_innen aus diesen Bereichen an.

Prof.'in Dr. Angelika Schmidt-Koddenberg, Projektleiterin am Standort Köln, berichtet hier, dass sich im Studiengang Soziale Arbeit die Erwartungen an das Studium in den letzten Jahren stark verändert hätten. So beobachte sie teilweise eine sinkende Lern- bzw. Studierbereitschaft: “Das Interesse, sich auf die verschiedenen Themen des Studiums wissenschaftlich einzulassen, ist nach meiner Erfahrung in den letzten Jahren zurück gegangen.“ Die Förderung einer reflektierten Entscheidung für oder gegen ein Studium der Sozialen Arbeit – die eine möglichst realitätsnahe Auseinandersetzung mit Anforderungen, Inhalten und Erwartungen im Studium der Sozialen Arbeit und bzgl. der späteren Tätigkeit voraussetzt – hält Prof.'in Dr. Verena Klomann, Projektleiterin an der Abteilung Aachen, für ein wesentliches Element hinsichtlich der Entwicklung einer auch individuell zu erzeugenden Studierfähigkeit.

Von dieser intensiven Auseinandersetzung mit dem Studium Soziale Arbeit und dem eigenen Studienwunsch berichtete Lina Rodenbüsch aus der Perspektive einer Bewerberin um einen Studienplatz. Sowohl im Beratungsangebot des Projektes FIGEST, als auch am digitalen Hochschulinformationstag hatte sie sich die notwendigen Informationen für die Reflexion ihres Studieninteresses zusammengetragen. Sie wisse nun, dass dieses Studium genau das Richtige für sie sei. Bianca Schrammen, eine Studierende im 2. Semester des Bachelorstudienganges Soziale Arbeit, gab einen Einblick in ihren Studienstart unter Pandemiebedingungen: “Ich hatte mich so auf all‘ die neuen Dinge gefreut und nun saß ich überwiegend alleine vor dem Laptop.“ Ihre Lösung war es, die Unterstützungs- und Austauschangebote des Projektes FIGEST intensiv zu nutzen. “Ich bin eigentlich immer in der digitalen Mittagspause, wo ich mich mit Kommiliton_innen vernetzen kann.“

Von Ihren Erfahrungen mit dem Dalton-Konzept an einem Düsseldorfer Gymnasium berichtete die stellvertretende Schulleiterin Beate Gorgels: Schule (und auch Hochschule) müsse einen Rahmen definieren, in dem sich junge Menschen selber entfalten können. Das Konzept Ihrer Schule traue den Schüler_innen viel Eigenverantwortung im Lernprozess zu, von der diese dann auch im Studium profitieren könnten (Infofilm des Gymnasiums zur Dalton-Pädagogik https://www.youtube.com/watch?v=NsBHwGfHwik&t=19s). Silke Quernheim, Studien- und Berufsorientierungslehrerin am Berufskolleg Käthe Kollwitz in Aachen, wies darauf hin, dass Schüler_innen häufig zwar die Idee hätten, im Anschluss an den besuchten Bildungsgang ein Studium der Sozialen Arbeit aufzunehmen, ihnen aber oft wenig darüber bekannt wäre, was es heißt zu studieren, bzw. ganz konkret, Soziale Arbeit zu studieren. Sie wünschte sich, wie auch Beate Gorgels, weitere Kooperation und Austausch zwischen Schulen und Hochschulen. Den Vortrag Soziale Arbeit studieren vom Projekt FIGEST möchte Silke Quernheim zukünftig mit Ihren Schüler_innen des Fachs Erziehungswissenschaften als Informationsmöglichkeit nutzen.

“Wir müssen da dranbleiben. Kommunal und landesweit!“, betonte Angelika Schmidt-Koddenberg zum Abschluss des digitalen Workshops noch einmal die Relevanz des Themas. Ganz in diesem Sinne war das Projekt FIGEST auch eine Woche später schon mit einem Beitrag auf der BMBF-Transfertagung Viele Wege führen zum Erfolg! Ein Dialog zwischen Wissenschaft und Praxis zum Studienerfolg und Studienabbruch(27. – 28. April 2021) vertreten. Hier lag der Schwerpunkt des von FIGEST durchgeführten Workshops auf der Begleitung Neustudierender in der Studieneingangsphase.

Bei Interesse an weiteren geplanten Veranstaltungen zum Thema und den sonstigen Formaten des Projekts FIGEST freuen wir uns über Ihre Kontaktaufnahme per E-Mail: figest@katho-nrw.de

A. Zeien für FIGEST

Folien zum Workshop

Den gesamten Foliensatz des Workshops finden Sie hier.