Veröffentlichung des Thesispreises 2019 – "Einsatz von VR-Technologien in der Senior*innenarbeit"
01. September 2020
Anna Liza Arp
Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Köln
0221/7757 - 463
Jana Offergeld
Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Bochum
0234/36901 -107

Milena Feldmann veröffentlicht den 5. Band der Reihe "Thesispreis" des Fachbereichs Sozialwesen der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen (KatHO NRW), Abteilung Köln. Die Arbeit wurde eng durch den Sozial-Wissenschaftsladen Köln begleitet.

Mit ihrer Untersuchung des Einsatzes von Virtual-Reality-Technologie in der Senior_innenarbeit greift Milena Feldmann ein Thema auf, das die Theorie und Praxis der Sozialen Arbeit gleichermaßen herausfordert. Das Forschungsvorhaben wurde eng durch den Sozial-Wissenschaftsladen der KatHO NRW, Abteilung Köln begleitet und ausgehend vom Diözesan-Caritasverband für das Erzbistum Köln realisiert. In engem Austausch mit den Praxisvertreter_innen sowie Prof.‘in Dr. Julia Steinfort-Diedenhofen wurde die Forschungsfrage gemeinsam erarbeitet. Zudem stellte Frau Feldmann die Forschungsergebnisse in der Praxis zur Diskussion. Somit wird in dieser Bachelor-Thesis der Theorie-Praxis-Transfer auf vorbildliche Weise realisiert. Die Arbeit wurde mit dem Thesispreis 2019 des Fachbereichs Sozialwesen an der KatHO NRW, Abteilung Köln, ausgezeichnet. Wir haben Milena Feldmann zu ihrer Veröffentlichung befragt.

Mit welcher Frage haben Sie sich in Ihrer Bachelor-Arbeit beschäftigt?

In meiner Bachelorarbeit thematisiere ich Chancen und Risiken, die bei einem Einsatz von Virtual-Reality-Brillen in der Arbeit mit Senior_innen zu berücksichtigen sind. Digitale Medien spielen in der Sozialen Arbeit – und dabei insbesondere auch im Bereich der Senior_innenarbeit – eine immer größere Rolle. Durch die aktuellen Herausforderungen im Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie wird uns die Bedeutung von digitalen Medien für Menschen des dritten und vierten Lebensalters noch einmal deutlich vor Augen geführt. In meiner Bachelorarbeit gehe ich der Frage nach, auf welche Art und Weise neue Technologie wie die Virtual-Reality-Brille in der Arbeit mit Senior_innen sinnvoll zum Einsatz kommen kann. 

Wie sind Sie auf das Thema aufmerksam geworden?

Über meine Prof.‘in Dr. Steinfort-Diedenhofen erfuhr ich von einer Anfrage, mit der der Diözesan-Caritasverband (DiCV) Köln über den Sozial-Wissenschaftsladen an die KatHO herangetreten war: Es sollte darum gehen, ältere Menschen und Mitarbeitende in der Pflege und Betreuung mithilfe von Virtual-Reality-Brillen an die Digitalisierung heranzuführen. Die Anfrage stieß bei mir sofort auf Interesse: Neben dem Thema begeisterte mich auch die Möglichkeit, mich in meiner Bachelorarbeit mit einer "realen“ Forschungsfrage aus der Praxis zu beschäftigen. Ein möglicher Transfer meiner Forschungsergebnisse in die Praxis motivierte mich zusätzlich, das Thema in Angriff zu nehmen. In dem Projekt war neben dem Diözesan-Caritasverband Köln auch die Technische Hochschule Köln und ein Seniorenzentrum in Düsseldorf involviert, in dem ich schließlich auch meine Erhebung in Form eines Gruppeninterviews mit Mitarbeitenden durchgeführt habe. Der Sozial-Wissenschaftsladen stand mir sowohl vor, während und nach der eigentlichen Datenerhebung und Verschriftlichung meiner Ergebnisse ermutigend zur Seite: Auch dank dieser Unterstützung konnte ich meine Anliegen und Ideen gegenüber den Projektpartner_innen selbstbewusst formulieren und in die Tat umsetzen. An dieser Stelle dafür noch einmal ein herzliches Dankeschön.

Welche wichtigen Erkenntnisse haben Sie gewonnen?

Ein wichtiger Aspekt beim Einsatz von Virtual-Reality-Technologie in der Arbeit mit Senior_innen ist eine sorgfältige Kosten-Nutzen-Abwägung. Dabei gilt: Weder eine pauschale Verurteilung noch eine euphorische Verklärung der Virtual-Reality-Technologie ist für die Beteiligten hilfreich. Stattdessen müssen in der konkreten Anwendung sowohl Risiken als auch Chancen der Nutzung beleuchtet werden: In welchem konkreten Fall ermöglichen die Virtual-Reality-Brillen den Senior_innen neue Erfahrungen und Chancen der Teilhabe? Und wann, beziehungsweise für wen, stellt die neue Technologie eine Überforderung dar, die mehr Schaden als Nutzen bringt? Diese und weitere Fragen müssen immer wieder aufs Neue gestellt und mit allen Beteiligten gemeinsam beantwortet werden.

Wo sehen Sie Entwicklungsbedarf für die Praxis?

Zentral erscheint mir eine sorgfältige Implementierung der neuen Technologie. Was meine ich damit? Zunächst einmal gibt es verschiedene Hard- und Software der VR-Technologie, von denen manche mehr und manche weniger geeignet für Senior_innen sind (Stichwort: intuitive Bedienung, Gewicht, Verkabelung, Einsicht der Inhalte von außen etc.). Darüber hinaus haben viele Mitarbeitende in entsprechenden Einrichtungen häufig kaum Erfahrung mit der Virtual-Reality-Technologie. In qualifizierenden Schulungen müssen daher sowohl technische als auch ethische und didaktische Inhalte vermittelt werden, die den senior_innengerechten Einsatz der neuen Technologie im Arbeitsalltag ermöglichen. Hinzu kommt die technisch-digitale Grundausstattung der Senior_innen-Einrichtungen – nur mit stabilem WLAN ist die Nutzung der VR-Brillen überhaupt denkbar. Fazit: Ein adäquater Einsatz von Virtual-Reality-Technologie in Senior_innen-Einrichtung ist also sehr ressourcenaufwändig: personell, finanziell und konzeptionell. Das muss allen Beteiligten bewusst sein.

Welche Aufgabe stellt sich nun der Disziplin der Sozialen Arbeit?

Die Soziale Arbeit spielt meines Erachtens im gesamten Prozess der Implementierung von Virtual-Reality-Technologie im Senior_innenbereich eine zentrale Rolle. Das beginnt bei der konzeptionellen Vorarbeit und gilt für den tatsächlichen Einsatz vor Ort sowie für die Evaluation und Nachbereitung. Die Soziale Arbeit hat außerdem dafür Sorge zu tragen, dass die Senior_innen selbst im Mittelpunkt der Intervention stehen. Sie selbst sind die Expert_innen für ihre eigenen Bedarfe. Die professionelle Handlungskompetenz von Sozialarbeiter_innen muss sich auch hier an der Trias Wissen, Können und Haltung orientieren. Eine intensive Beschäftigung mit den Chancen und Risiken neuer digitaler Technologien im Allgemeinen und der Virtual-Reality-Technologie im Besonderen ist daher sowohl für die Disziplin als auch für die Profession der Sozialen Arbeit unerlässlich.

Die Veröffentlichung "Einsatz von VR-Technologien in der Senior*innenarbeit“ kann hier erworben werden. Weitere Informationen zum Projekt finden Sie zudem in unserem Projektarchiv.

Ansprechpersonen

Anna Liza Arp
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